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Das psychologische Phänomen Reaktanz: Über Freiheit und Widerstand

Von Lukas Christmann, veröffentlicht am 14 Juni 2024

Psychologische Reaktanz ist die Abwehrreaktion, die wir erleben, wenn unsere Freiheit bedroht ist. Diese Reaktion tritt auf, wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Freiheit eingeschränkt wird und manifestiert sich als motivationaler Zustand mit dem Ziel, die eigene Freiheit wiederherzustellen.

 

Dabei gibt es verschiedene Auslöser für psychologische Reaktanz. Einer der häufigsten Auslöser ist der interpersonelle Einfluss, bei dem andere Menschen versuchen, unser Verhalten oder unsere Entscheidungen zu kontrollieren. Ein weiterer Auslöser sind Barrieren, also physische oder symbolische Hindernisse, die uns daran hindern, unsere Ziele zu erreichen. Schließlich können auch selbst auferlegte Bedrohungen eine Rolle spielen, wie innere Konflikte oder selbst auferlegte Einschränkungen, die unsere Freiheit einschränken.

Dabei umfasst die Reaktanz drei Hauptkomponenten:

Die affektive, die kognitive und die physiologische. Affektiv bedeutet, dass wir emotionale Reaktionen wie Ärger oder Frustration erleben. Kognitiv denken wir über die Bedrohung unserer Freiheit nach und entwickeln Strategien zu deren Wiederherstellung. Physiologisch äußert sich die Reaktanz durch körperliche Reaktionen wie erhöhten Herzschlag oder Anspannung.

Dabei kann Reaktanz auf verschiedene Weisen auftreten: Eine direkte Wiederherstellung der Freiheit besteht darin, dass wir genau das Gegenteil von dem tun, was uns gesagt wurde. Bei der indirekten Wiederherstellung der Freiheit führen wir ein anderes, aber vergleichbares Verhalten aus oder verschieben unser Verhalten auf einen anderen Kontext. In einigen Fällen kann Reaktanz auch zu Aggression führen, bei der wir die bedrohliche Instanz physisch oder verbal angreifen. Eine weitere Erscheinungsform ist die Attraktivitätsänderung, bei der die bedrohte Wahlmöglichkeit plötzlich attraktiver erscheint als zuvor.

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Wie kann Reaktanz reduziert werden?

Eine Möglichkeit ist, nicht-kontrollierende Sprache zu verwenden, also Begriffe wie "überlegen", "kann", "könnte" und "dürfte" statt "sollte", "muss" und "braucht". Eine weitere Strategie ist, Nachrichten als Gewinn zu formulieren, anstatt die Botschaft als Verlust darzustellen. Ebenso kann es hilfreich sein, Nachrichten im Ansatz zu präsentieren, indem man auf mögliche positive Ergebnisse fokussiert, anstatt auf die Vermeidung negativer Ergebnisse. Außerdem sollten die Vorteile einer Veränderung betont werden, anstatt die Einschränkungen. Schließlich können humorvolle Informationen helfen, die Botschaft besser zu vermitteln.

Welche Maßnahmen kannst du ergreifen, wenn du selbst Reaktanz erlebst oder wahrnimmst?


Überlege zunächst, bevor du handelst, und nimm dir einen Moment, um die Situation zu bewerten. Höre aufmerksam und aktiv zu, um die Perspektive des anderen zu verstehen. Finde Wege, ruhig zu bleiben, indem du tief durchatmest oder bis zehn zählst. Bleibe neugierig und frage nach, um die Beweggründe des anderen zu verstehen. Suche den Kontakt, sei wertschätzend und direkt, sprich offen über deine Bedenken und zeige Wertschätzung für die Perspektive des anderen.

Fazit 

Indem wir die Auslöser, Komponenten und Erscheinungsformen der Reaktanz verstehen, können wir bessere Wege finden, mit diesen Reaktionen umzugehen und sie zu mindern. Besonders in zwischenmenschlichen Beziehungen und Kommunikationssituationen kann dieses Wissen helfen, Konflikte zu vermeiden und konstruktiver zu agieren. Verwenden wir nicht-kontrollierende Sprache, rahmen wir unsere Botschaften positiv und achten wir auf die Perspektive des anderen, können wir die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Reaktanz überhaupt auftritt. Letztlich geht es darum, respektvoll und empathisch miteinander umzugehen und die Freiheit des Einzelnen zu respektieren.

Themen: ChangeReaktanzWiderstand

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Lukas Christmann 

Consultant & Agile Coach

lukas.christmann@timmermannpartners.com

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