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Transformationale Führung im virtuellen Setting

Von Michael Timmermann, veröffentlicht am 06 November 2022

In Zeiten der Corona-Krise wurde das Arbeiten im Home-Office immer beliebter. Viele Unternehmen wollen langfristig vermehrt remote zu arbeiten. Das stellt zahlreiche Unternehmen weltweit vor Herausforderungen. Und auch bei Führungskräften kann die Umstellung auf Home-Office Unsicherheit hervorrufen, da sich Führung dann zumindest teils virtuell abspielt. Das ist vor allem für Organisationen neu, die bislang lediglich auf Arbeiten vor Ort gesetzt haben. Wir zeigen euch, wie ihr mit Hilfe agiler Leadership-Prinzipien eure Mitarbeiter*innen sinnvoll und zielorientiert auch virtuell führen könnt.

Textbanner Virtuelle Führung

Agile Führung virtuell umsetzen

Agilität ist ein erfolgsversprechender Management-Ansatz, der es einem Projekt, einer Abteilung oder der gesamten Organisation erlaubt, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren. Besonders Führungskräfte tragen maßgeblich dazu bei, wie agil ihr Unternehmen ist und wie agil Mitarbeiter*innen arbeiten. Bestimmte Werte wie Transparenz, Achtsamkeit und Wertschätzung sind dabei besonders wichtig. Diese Werte jeden Tag zu leben, ist bereits eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Krisenzeiten, wie durch das Coronavirus ausgelöst, stellen Unternehmen und ihre Teams auf die Probe – und wer hier agil führt, hat einen klaren Vorteil.

Agile Führung bedeutet dabei nicht nur die schlichte Einführung von Methoden, sondern erfordert vielmehr die Integration eines agilen Mindsets in den eigenen Arbeitsalltag. Der Grundgedanke dabei ist, die Mitarbeiter*innen mit agilen Prinzipien und Werten wie Transparenz, Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit nachhaltig bekannt zu machen und diese in all ihren Arbeitsbereichen zu manifestieren. Gleichzeitig gilt die Idee einer ständigen Weiterentwicklung, denn agile Transformationen sind an keinem Punkt komplett abgeschlossen.

Das agile Arbeiten erleichtert es Organisationen, Ziele zu erreichen und Projekte schneller und effizienter abzuwickeln, u. a. indem die Führungskraft Verantwortung und damit auch Kontrolle an Teammitglieder, die an einer Aufgabe arbeiten, abgibt. Anfangs noch ungewohnt, bietet diese Übertragung von Entscheidungsmacht viel Potenzial für den gesamten Betrieb. Mitarbeiter*innen sind motivierter und zufriedener, was wiederum einen guten Ruf der Organisation fördert und neue vielversprechende Mitarbeiter*innen anlockt.

Wie Führungskräfte dieses agile Mindset und die dazugehörige Arbeitsweise nun aber auf den digitalen Austausch mit ihren Mitarbeiter*innen übertragen, ist eine ungewohnte Herausforderung. Transformationale Führung ist der Schlüsselbegriff, denn deren “4 Is” bieten nicht nur im Büro im direkten Austausch, sondern auch virtuell im Home-Office Lösungen an, wie Unternehmen in Krisenzeiten agil arbeiten können.

Die klassische transaktionale Führung funktioniert versteht die Welt als Nullsummenspiel und funktioniert nach dem Prinzip der kurzfristigen Leistung und Gegenleistung. Obwohl sich bisher viele Organisationen an diesem Modell orientierten und damit möglicherweise erfolgreich waren, wird dies in Zukunft nicht mehr ausreichend sein. Das Belohnen guter und das „Bestrafen" unzureichender Leistungen ist nicht unbedingt zielführend. Stattdessen sollte nun eine Orientierung in Richtung der transformationalen Führung stattfinden. Hierbei geht es darum, als Führungskraft sich die Fähigkeit zu erarbeiten), Ziele in Resultate umzusetzen, Führung in der Beziehung zwischen Menschen ernst zu nehmen und Vertrauen und Zusammenhalt zu schaffen. Charismatisch oder visionär aufzutreten, verstärkt die Vorbildwirkung weiter.

Die „4 Is“ der transformationalen Führung geben klare Anhaltspunkte, die es erleichtern, Verhaltensweisen weiterzuentwickeln. Diese einzelnen Prinzipien sind sowohl im Büro von Bedeutung, wenn ihr euren Kollegen gegenübersteht, als auch in virtuellen Teams, die besonders von regelmäßigem Austausch und Absprachen profitieren, wenn räumliche Distanz herrscht.

1. Individuelle Zuwendung

Einen sehr großen Teil eurer Organisation machen die Mitarbeiter*innen aus. Hier kommen unterschiedliche Kompetenzen zusammen, die gemeinsam an einem großen Ganzen arbeiten. Dafür ist es essenziell, die Fähigkeiten der Menschen im Team zu kennen, wertzuschätzen und schließlich auch effizient zu nutzen. Einerseits können Teammitglieder mit Erfahrung in bestimmten Bereichen spezifische Aufgaben, die Expertise benötigen. übernehmen. Andererseits kann sich aber auch ein*e Mitarbeiter*in an Aufgaben wagen, die neu für ihn*sie sind, um daran zu wachsen und sich weiterentwickeln. Das Ziel? Anstatt zugeteilte Aufgaben der Reihe nach abzuarbeiten und auszuführen, stärken Mitarbeiter*innen ihre persönliche Bindung zum Unternehmen durch Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten, die sie im Arbeitsalltag einsetzen können. Als Vorgesetzte*r liegt es vielfach in euren Händen, sowohl auf Bedürfnisse und Interessen zu achten als auch die persönliche Entwicklung der Geführten zu fördern. 

Virtuelle Führung im Home-Office: Durch das Einführen eines regelmäßigen virtuellen Austauschs, beispielsweise in Form digitaler „Mini-Check-ins“ mithilfe verschiedener Kommunikationsmedien, könnt ihr euch einen Eindruck verschaffen, welche Unterstützung zur Beseitigung von Hindernissen (Impediments) wer braucht. Dadurch entsteht ein regerer Austausch, gleichzeitig können die Mitarbeiter*innen den Kontakt untereinander aufrechterhalten. Die virtuelle Teamarbeit wird durch rege Kommunikation verbessert, wenn die Teammitglieder den Mehrwert dahinter sehen.

2. Idealisierte Vorbildwirkung

Beginn mit der Umsetzung von Veränderungen bei dir selbst. Dadurch entsteht eine viel größere positive Vorbildwirkung auf andere, als wenn du glaubst, die Dinge schon zu können und die anderen müssten sie sich nur bei dir abschauen. Sei ein Vorbild im Lernen. Hier einige Anhaltspunkte:

  • Authentizität und Glaubwürdigkeit sind wichtige Faktoren, die helfen, andere zu inspirieren, es dir gleichzutun.
  • Pack es auch mit an – lass deinen Worten Taten folgen, und zeig dadurch, wie ernst du es meinst
  • Gleichzeitig solltest du immer weiter an dir arbeiten und deinen Mitarbeiter*innen vermitteln, dass es viel mehr um die persönliche Weiterentwicklung als um einen Konkurrenzkampf zwischen den Team-Mitgliedern geht. 
  • Sei greifbar. Durch den Austausch und direkten Kontakt schaffst du engere persönliche Beziehungen und ein Gefühl von Miteinander und Verbundenheit.

Virtuelle Führung im Home-Office: Besonders, wenn ihr euch nicht persönlich seht, ist es von zentraler Bedeutung, für deine Mitarbeiter*innen greifbar zu sein. Dabei helfen digitale Kommunikationsmedien. Mittels einer authentischen Videobotschaft kannst du als Führungskraft präsent sein und von deinem Arbeitsalltag berichten. Geh dabei neben Positivem auch auf Herausforderungen, Rückschläge, Hindernisse und Fehler ein. Dadurch vermittelst du Mitarbeiter*innen, dass auch du menschlich bist, Fehler machst und – besonders wichtig – an ihnen wächst. Für die Mitarbeiter*innen ist das eine Chance ihre persönliche Entwicklung voranzubringen. Diese Einstellung stärkt das Vertrauen des virtuellen Teams in dich als Führungskraft. Dank dir fühlen sich andere dann auch dazu angeregt, eigene Erfahrungen zu teilen und sich mit Kollegen auszutauschen, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

3. Inspirierende Motivation

Wenn du für eine Sache brennst, tun es deine Mitarbeiter*innen auch, und auch für Klienten können dein Enthusiasmus und deine Begeisterung eine positive Haltung eurer Organisation gegenüber auslösen. Andere zu motivieren gelingt am besten, wenn die eigene Überzeugung sichtbar und spürbar gelebt wird. Dazu ist es essenziell, klar zu kommunizieren, was deine Vision bzw. die Vision der Organisation ist. In welche Richtung soll sie sich entwickeln, welchen Sinn hat die Existenz der Organisation? Dann gilt es, durch die Beantwortung dieser Fragen klare Ziele zu formulieren und an ihrer Erreichung zu arbeiten. Weiter ist es als Führungskraft von großer Bedeutung, voll hinter den der Vision und den Werten zu stehen und dich an Versprechen zu halten. Genauso wie du von deinen Mitarbeitern erwartest, dass sie im Sinne der Organisation denken und handeln, solltest du bei dir keine Ausnahme machen, denn besonders du motivierst dein Team.

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4. Intellektuelle Stimulation

Die Organisation lebt von den Mitarbeitenden – besonders Führungskräfte sollten sich dessen bewusst sein und danach handeln. Die Grundidee der intellektuellen Stimulation ist, den Mitarbeitenden interessante "Nüsse zu Knacken" zu geben. Also statt vorzugeben, was wie gelöst werden soll, und die Mitarbeitenden nur in ihrer Komfortzone zu halten, herausfordernde Aufgaben in der der Lernzone ins Spiel zu bringen.

Einerseits sollte jede*r Einzelne dazu angeregt werden, Herausforderungen kreativ und selbstständig zu begegnen, auf seine persönlichen Fähigkeiten zu vertrauen und diese Hürden zu meistern. Andererseits sollte niemand auf sich allein gestellt sein, sondern im Zweifelsfall jederzeit die Möglichkeit haben, nach Rat zu fragen und von anderen neue Lösungsansätze zu erhalten. Dadurch sehen Mitarbeiter*innen der Organisation einen persönlichen Mehrwert in den einzelnen Aufgaben über das reine  Abarbeiten hinaus. Für Projekte, für die einzelne Mitarbeiter*innen selbst verantwortlich sind und bei denen sie etwas zu sagen haben, lassen sie sich viel leichter begeistern. Eigene Lösungswege zu finden, anstatt stumpf Aufträge zu bearbeiten und Vorgegebenes zu erfüllen, steigert die Motivation und das Zugehörigkeitsgefühl im Unternehmen. Die Führungskraft muss dabei die Balance zwischen der Übergabe von Verantwortung und einer angemessenen Unterstützung halten. Und die Verantwortungsübernahme durch Mitarbeitende ist ein langfristiger Lernprozess, den sie mit einer gewissen Demut angehen sollten statt in die Falle zu tappen zu sagen: „Endlich können wir mal so machen, wie wir es für richtig halten, jetzt wird von allein alles gut, denn wir können es ja besser als die Führungskraft".

Virtuelle Führung im Home-Office: In der neuen Arbeitsrealität ist es fast unumgänglich, den Mitarbeiter*innen mehr Verantwortung zu übertragen und ihnen in weiterer Folge Freiheit in ihrer Kreativität und Erweiterung ihrer Problemlösekompetenz zu ermöglichen. Nimm dich bei gut laufenden Prozessen etwas zurück und agiere eher im Hintergrund. Behalte aber ein offenes Ohr, falls doch etwas schieflaufen sollte und das Team deinen Rat benötigt. Genau auf diese Weise schaffst du einen verantwortungsbewussten Team-Spirit, der das Team dazu animiert, sich im besten Fall selbst zu organisieren, jedoch bei Schwierigkeiten auf dich zurückzukommen.

Für die Zukunft

Besonders in schwierigen Zeiten zeigt sich die Kompetenz einer Führungskraft, ihre Mitarbeitenden zusammenzuhalten und trotz der räumlichen Distanz die Teams so zu führen, dass alle motiviert, eigenverantwortlich und zielstrebig an einem gemeinsamen großen Ganzen arbeiten. Lass dich nicht verunsichern, denn diese neuen Prozesse brauchen Zeit. Nimm dir diese Zeit, und schon bald werdet ihr von transformationaler Führung im virtuellen Setting profitieren.

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