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Psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz: Warum sie unverzichtbar ist

Geschrieben von Sepp Baumeister | 18.05.26 09:32

 

Psychologische Sicherheit: Ursprung und Bedeutung

Die Harvard-Professorin Amy Edmondson beschreibt psychologische Sicherheit als "die Überzeugung, dass ich keine negativen Konsequenzen befürchten muss, wenn ich zwischenmenschliche Risiken eingehe."1,2 Dazu gehört das offene Ansprechen von Problemen, das Eingestehen von Fehlern und das Äußern ungewöhnlicher Meinungen.

Dieses Konzept ist mehr als ein Wohlfühlfaktor: Psychologische Sicherheit ist einer der einflussreichsten Faktoren für die Effizienz eines Teams – neben Zuverlässigkeit, Struktur und Klarheit. Ein sicheres Arbeitsumfeld fördert nicht nur individuelle Leistung, sondern verbessert auch die Zusammenarbeit im Team. Offene Kommunikation führt zu klareren Aufgabenteilungen, mehr Verständnis füreinander und stärkerer Unterstützung. Ohne psychologische Sicherheit jedoch scheuen sich viele davor, neue Ideen einzubringen oder Fehler einzugestehen. Dadurch gehen wertvolle Chancen verloren.

Deine Perspektive auf psychologische Sicherheit

Wie fühlst du dich, wenn du gegenüber deinem Partner oder deinen Eltern bzw. Kindern einen Fehler eingestehen musst? Wie ist es, Schwäche zu zeigen? In unseren zwischenmenschlichen Beziehungen ist es essenziell, sich in solchen Momenten sicher und verstanden zu fühlen. Wir müssen unsere Schutzschilder fallen lassen können, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Diese Sicherheit sollte nicht nur im privaten Bereich gegeben sein, sondern auch im beruflichen Kontext. Doch was genau bedeutet psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz? Woran erkennen wir, ob sie vorhanden ist oder nicht?

Authentizität versus Zurückhaltung

Ob Konflikte, Witze oder gewagte Outfits – oft fragen wir uns, wie unser Verhalten am Arbeitsplatz auf andere wirkt. Zu oft handeln wir dann weniger authentisch, aus Angst, falsch wahrgenommen zu werden.

Wir stellen keine Fragen, weil wir befürchten, für unwissend gehalten zu werden. Wir geben kein Feedback, weil wir Angst haben, jemandem auf die Füße zu treten. Wir behalten Anekdoten oder persönliche Erlebnisse für uns, weil wir nicht sicher sind, ob sie gut ankommen.

Das Ergebnis: Wir alle sind weniger wir selbst. Dabei haben unsere Arbeitsplätze und Teams Authentizität verdient! Uns fehlt das Vertrauen, um zwischenmenschliche Risiken eingehen zu können.

Woran scheitert psychologische Sicherheit?

Trotz der klaren Vorteile ist es nicht immer einfach, psychologische Sicherheit in Unternehmen zu etablieren. Hindernisse können sowohl von der Führungsebene als auch von der Unternehmenskultur ausgehen.

Führungskräfte, die Unsicherheit vermitteln oder ein fehlerintolerantes Umfeld schaffen, erschweren es Teams, sich zu öffnen. Ebenso können stark hierarchische oder kompetitive Strukturen die psychologische Sicherheit beeinträchtigen.

Der Weg zu mehr psychologischer Sicherheit

Wie schaffen wir ein Arbeitsumfeld, in dem wir offen und ehrlich miteinander umgehen? Wo Konflikte nicht destruktiv, sondern konstruktiv sind und uns als Teams enger zusammenbringen?

Um die psychologische Sicherheit in Teams und Organisationen zu stärken, helfen drei zentrale Prinzipien:

  1. Offene Kommunikation etablieren: Eine Kultur schaffen, in der jede Meinung zählt. Regelmäßige Feedbackrunden oder Workshops können dies unterstützen.
  2. Fehler als Lernmöglichkeiten betrachten: Ein Umfeld schaffen, in dem Fehler nicht bestraft, sondern analysiert und als Chancen zur Weiterentwicklung genutzt werden.
  3. Vertrauen aufbauen: Vertrauen zwischen Teammitgliedern und Führungskräften kann durch transparente Entscheidungsprozesse oder gezielte Team-Building-Maßnahmen gestärkt werden.

Fazit

Psychologische Sicherheit ist nicht nur für unser privates Wohlbefinden wichtig, sondern sollte auch in Unternehmen Priorität haben. Sie fördert Innovation, Zusammenarbeit und eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitskultur.

Wie sieht es in deinem Team aus? Gibt es Raum für offene Kommunikation, Vertrauen und den Mut, Risiken einzugehen? Teile deine Gedanken gerne mit uns – oder noch wichtiger: mit deinen Kolleg*innen!

1Amy Edmondson erzählt zum Thema Psychological Safety (EN)

2Psychologische Sicherheit mit Amy Edmondson: Warum bessere Teams mehr Fehler machen - manager